Motivation

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Vor aller Leistungsorientierung steht
für mich die Sinnorientierung.

Thomas Blaser-Böhlen

 

Ich möchte in Dialog treten mit Menschen, die Güte, Aufrichtigkeit und Uneigennützigkeit besitzen und offen für das Eigene sind. Es müssen Menschen sein, deren Werte sich nicht an Macht, Erfolg und Geld orientieren, sondern die keine Angst vor dem Anderssein haben, frei von Anpassungsdrang. Nur so wird man das eigene Selbst entdecken, das auf Mitgefühl gründet.

Arno Gruen – «Ich will eine Welt ohne Kriege» Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2006

Wahrnehmung und Wirklichkeit

In seinem Vortrag «Versöhnung von Wissenschaft und Religion» zeigte Professor Hans-Peter Dürr auf, dass es unzulässig und falsch ist, unsere stets subjektive Wahrnehmung der Wirklichkeit – auch wenn wir sie durch raffinierte Instrumente wesentlich erweitern – mit der Wirklichkeit schlechthin gleichzusetzen. Dabei griff er auf ein Gleichnis des englischen Astrophysikers Sir Arthur Eddington zurück:

Eddington vergleicht einen Naturwissenschaftler mit einem Ichthyologen, einem Fischkundler, der seine Welt erforschen will. Dies besteht darin, dass er auf das Meer hinausfährt und Fische fängt. Nach vielen Fischzügen und sorgfältigen Überprüfungen seiner Beute gelingt ihm die Entdeckung des ersten Grundgesetzes der Ichthyologie: «Alle Fische sind größer als fünf Zentimeter!» Er nennt dies ein Grundgesetz, weil er bei keinem Fang jemals einen Fisch fand, der kleiner als fünf Zentimeter war, und daraus auf eine Allgemeingültigkeit des Befundes schließt.

Auf dem Heimweg trifft er seinen besten Freund, den ich den Metaphysiker nennen will, und erzählt ihm von seiner großen wissenschaftlichen Entdeckung. Der entgegnet ihm: «Das ist doch gar kein Grundgesetz! Dein Netz ist einfach so grob, dass dir die kleineren Fische stets durch die Maschen gehen.»

Aber der Ichthyologe ist durch dieses Argument überhaupt nicht beeindruckt und antwortet entschieden: „Was ich mit meinem Netz nicht fangen kann, liegt prinzipiell außerhalb fischkundlichen Wissens, es bezieht sich auf kein Objekt der Art wie es in der Ichtyologie als Objekt definiert ist.

Für mich als Ichtyologe gilt: Was ich nicht fangen kann, ist kein Fisch!“

Auf die Wissenschaft angewendet bedeute dieses Gleichnis: Um wissenschaftliche Erkenntnisse zu etablieren, verwenden Wissenschaftler immer ein Netz bzw. Raster aus bisherigen Messungen und Beobachtungen, ohne sich über die Existenz und die Art des Netzes im Klaren zu sein. Dieses Netz symbolisiere nicht nur das methodische sondern vor allem auch das gedankliche Rüstzeug wissenschaftlichen Arbeitens.

Wissenschaftliches Denken sei zudem stets fragmentierend und analysierend. Alles, was wir untersuchen und verstehen wollen, zerlegen wir.

Diese für unser Leben vorteilhaften und erfolgreichen Methode, an komplizierte Dinge heranzugehen, bewertet Dürr keineswegs negativ. Es sei aber wichtig, sich stets der methodischen und gedanklichen Grenzziehung bewusst zu sein – und darüber, dass sich so lediglich ein Teil einer gesamten Wirklichkeit erfassen lässt.

Mensch und Gemeinschaft – Vom Wert des Wir

Es mutet wie ein Alptraum an: die NSA hört weltweit einen jeden ab, der Elektronik nutzt, um sich mitzuteilen. Der Big Brother Orwells ist nicht ins Gigantische Realität geworden, sondern er wird, als wäre nichts dabei, förmlich gleich einem Wohltäter der ganzen Menschheit begrüßt, bejubelt und als neues Zeitalter beschworen. Grenzen der Intimität, Rechte der Persönlichkeit, Respekt vor dem Geheimnisvollen, das uns als Person ausmacht, werden behandelt als ob nicht existent – zugunsten der Wirtschaftsinteressen der international agierenden Konzerne und der geostrategischen Ziele der einzig verbliebenen Weltmacht des Westens, der USA. Was also tun? Es wagen, Individuen zu sein, – mit allem, was uns hilft, die Gleichschaltung des Seins zu vermeiden. Innerlichkeit gegen Veräußerlichung, Beachtung der nur scheinbaren Irrationalität der Gefühle gegenüber der funktionalen Praktik der Begriffe, Förderung der Kreativität des Einzelnen gegen den Leistungszwang des Allgemeinen – und: die Entdeckung des Absoluten in der Gestalt des Personalen im Raum der Religion. Vertrauen statt des Zwangs zu einer Sicherheit, die keine Freiheit mehr erlaubt.

Eugen Drewermann, deutscher Theologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller

Paradigmenwechsel

Nun sieht es so aus, als finde der Überschritt zu einem individuellen Bewusstsein, auf das die Universalreligionen antworten – antworten müssen – , erst wieder in den Traditionsabbrüchen der Gegenwart eine Parallele. Meine These lautet, dass die vor rund zweieinhalbtausend Jahren entstandenen Weltreligionen erneut an die Schwelle einer Bewusstseinsmutation herankommen, mit der sich ein zeitweilig chaotischer Umschichtungsprozess von weltgeschichtlichem Ausmaß verbindet, der sich als globaler Paradigmenwechsel beschreiben lässt.

Hubertus Halbfas in «Traditionsbruch und Neubeginn» – Paradigmenwechsel am Ende der überlieferten Kirchengestalt – Vortrag zum 20jährigen Bestehen des Lehrhaus Bremen

Über

Eine Reihe von Erfahrungen in der Berufswelt, im Familienalltag, in Kirchen und Institutionen, Einsichten in Zeiten persönlicher Auswegslosigkeit haben mich aufhorchen lassen. Prägende Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen, die die Dimension ihrer Spiritualität stetig vertiefen, haben mich in besonderer Weise sensibilisiert. Mit anderen habe ich mich auf dem Weg gemacht. Wir sind in den Dienst eines Heilungsprozesses und Neuwerdens gestellt, so gut es geht und so lange wie möglich. Aus der individuellen und persönlichen Bedingtheit heraus wollen wir umgestaltend tätig sein, damit wir die Eindimensionalität unseres modernen Wirklichkeitsbewusstseins überwinden und der Entfremdung, Kommerzialisierung, der Funktionalisierung und Entpersönlichung des Lebens entgegenwirken können.

Thomas Blaser-Böhlen

 

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